E-Publishing, Big Data und Smart Cities

Nicht nur die Oktober-Ausgabe der Harvard  Business Review wirft derzeit ein Spotlight on Big Data. Das die Zeitschrift zugleich den Beruf des Data Scientist zum Sexiest Job of the 21st Century ausruft, ist vielleicht eine Drehung zuviel, passt aber natürlich in die Umgebung einer Debatte, der fraglos das Attribut „Hype“ anhaftet.

Dessen ungeachtet entstehen gerade auch dank des Social und Mobile Computing in und um unsere Lebenswirklichkeit herum diverse Layer von Daten und ein wenig habe ich das Thema am Freitag in meinem Vortrag zum Semiotischen Netz angerissen. Die Relevanz im Zusammenhang mit dem elektronischen Publizieren ergibt sich dabei aus der Tatsache, dass in diesen Netzen und Layer publizierte Inhalte in gleicherweise zunächst einmal als Daten vorliegen und so prozessiert, verknüpft und rekombiniert werden können. Alice Ahlers fasst dies heute in einem Artikel in der Berliner Zeitung zum Thema Smart Cities (vgl. dazu den Eintrag Smart City in der Wikipedia) so zusammen:

„Daten sind die Rohstoffe des 21. Jahrhunderts. Seit sie nicht mehr auf Bergen von Papier fixiert sind, auf Karteikarten oder in Akten, sondern auf Festplatten und Servern liegen, lassen sie sich blitzschnell teilen, formatieren, auseinanderschneiden oder neu zusammensetzen.“ (Alice Ahlers: Allergiker bitte nach links. Auf der Falling-Walls-Konferenz in Berlin nehmen Wissenschaftler die Zukunft vorweg. In: Berliner Zeitung, Nr. 264, 10./11.November 2012, S. 10)

Sind die Inhalte elektronischer Publikationen entsprechend ebenfalls nicht mehr „auf Bergen von Papier fixiert“ gelten die entsprechenden Optionen natürlich auch für diese und die Vorstellung, dass einem beim Stadtrundgang durch Berlin eine App auf das Smartphone meldet, in welchen Büchern, Filmen und Musikstücken entsprechende Bezüge zur Schönhauser Allee existieren (zum Beispiel auch automatisch auf der Basis des Google Books-Korpus‚), während man just an dieser Ecke flaniert, ist eine sehr nah liegende. Akteure der Publikationsmärkte ermöglichten zudem mutmaßlich den Abruf (kostenpflichtig) der entsprechenden Inhalte. Das Crossmarketing griffe also buchstäblich an der Straßenkreuzung. Insofern gibt es durchaus eine klare Verbindung vom elektronischen Publizieren zum Smart-City-Konzept.

Weiterhin folgt daraus, dass die Idee des Remixes (bzw. des Mash-Ups) ebenfalls die Entwicklung von der Anthologie über die Musikkultur hin zu Geschäftsmodellen und schließlich zum Kernbaustein des Alltags in dieser alltäglichen Hyperräumen wird. Denn exakt dies findet sich in dem Zitat beschrieben: Die permanente Kombination und Rekombination von Daten, die offensichtlich („teilen“) auch die von uns im Seminar diskutierte Verknüpfung von und mit Akteurrepräsentationen (Social Profiles im Web) enthält.

Inwieweit die beschriebenen Prozesse dabei bewusste Handlungen der Akteure oder schlicht voreingestelltes algorithmisches Geschehen sind, lässt der Beitrag in der Berliner Zeitung offen. Vermutlich ist es eine Mischung von beiden Aspekten. Insofern erlebt auch das in der Fachinformation entwickelte Konzept der Alert– bzw. Current-Awareness-Dienste auch hier seine Ausweitung auf diverse Alltagsbereiche.

Entstehen dürften dabei neben den traditionellen Medieninhalten diverse Formen von Overlay-Formen, die selbst durchaus zu eigenständigen Publikationserscheinungen zusammengefasst (bzw. „formatiert“) werden können.

Es lässt sich folglich durchaus plausibel die These verhandeln, dass elektronisches Publizieren in diesen Kontexten das, was wir als traditionelle Verlagspublikation (auch im E-Book-Format) vor Augen haben, weit überschreitet.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Man kann nicht alles haben. Oder doch? Zu Anthony Daniels Sicht auf die Zukunft des Buches « Blog zum Seminar E-Publishing / HTWK

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