E-Books in Österreich 2012. Ergebnisse der dortige Trendforschung.

Geht es um Quellen zum Thema E-Books, dann herrscht derzeit wahrhaftig kein Mangel an einschlägigen Publikationen, Äußerungen, Vorhersagen und auch Studien. Für das Seminar können wir nur einen Bruchteil überhaupt zur Kenntnis nehmen. Und ab und an im Einzelfall ein paar Trends und Fakten extrahieren. Übermäßig problematisch ist das nicht. Denn meist besteht ein erheblicher Redundanzgrat und nicht selten lässt sich der Verlauf eines Experteninterviews mit einiger Präzision vorhersagen.

Dennoch ist auffällig, wie präsent die Gegenstandslage momentan ist, was auch teilweise im anstehenden Weihnachtsgeschäft begründet ist. Die Branchenmedien selbst sind für Beiträge zum Themenfeld als Erstanlaufpunkte gut geeignet. Und der Blick auf buchreport.de führt heute mittelbar (es gibt keinen leicht auffindbaren Direktlink) zu einer Studie zum Österreichischen E-Bookmarkt: Die E-Book-Studie 2012. In der Zusammenfassung mag man an das sich mühsam nährende Eichhörnchen erinnern. Und die Verlage hoffen, dass es zulegt. Immerhin haben von den befragten 100 österreichischen VerlegerInnen 32 % (n=32) E-Books im Programm, so jedenfalls die ein wenig verquirlt erscheinende Passage:

„2010 haben knapp 17 Prozent der Verlage E-Books angeboten, 2011 hat sich diese Zahl auf 32,3 Prozent fast verdoppelt. 67 Prozent der Verlage bieten bis zu zehn Titel als E-Book an, ein Drittel der Verlage sogar mehr.“

Gemeint ist vermutlich, dass 67 % der Verlage, die E-Books anbieten, zwischen einem und zehn Titel im Sortiment haben. Also 21 Verlage. Der Umsatzanteil stieg in den zurückliegenden Jahren, aber was das in Geldwert bedeutet, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen. Ein paar Verlage haben immerhin einen E-Book-Umsatzanteil von 5% und mehr. Sehr gern wüsste man, aus welchem Segment die angebotenen Titel stammen, denn bekanntlich verkaufen sich bestimmte Inhalte eher als andere in elektronischer Form. Eine pauschale Gültigkeit lässt sich kaum belastbar konstatieren. Woran sich die Verlagsvertreter messen lassen müssen, ist die Prognose eines Anteils von 10-15 % am Umsatz im Jahr 2015.

Drei weitere Aspekte sind interessant:

1. „Verlage schätzen das Risiko von Umsatzverlusten aufgrund von Raubkopien noch geringer als vor einem Jahr ein.“

Begründet wird dies durch verlässliche Vertriebspartner. Eventuell liegt es aber auch einfach daran, dass sich die Debatte abkühlte und das Problem in der Realität winziger ist, als es im Diskurs war.

2. Auf Formatebene werden der Amazon-Standard AZW sowie EPUB perspektivisch höher als das PDF-Format bewertet.

3. Die Befragten sehen als Anzeige-Hardware ein größeres Potential bei Tablet-Rechnern und Smartphones als bei reinen E-Readern:

„E- Reader zählen zwar noch immer zu jenen Geräten, die nach Auffassung der Verlage im E-Book-Markt relevant sein werden – dennoch haben sie gegenüber Tablets und Smartphones an Terrain verloren.“

Soweit also die Trendabschätzung der Österreichischen Verlagswelt. Nichts davon überrascht. Auffällig ist jedoch die Diskrepanz zwischen dem Getöse bestimmter Akteure im Geschäft und den tatsächlichen Werten und Einschätzungen. Wobei ohne entsprechendes Klappern vermutlich die Prognosen auf dem Markt für das digitale vermittelte Lesen von Büchern wahrscheinlich noch zurückhaltender ausfielen. Am Ende entscheiden die Kunden bzw. auch der Kunden-Mix. Denn es ist gar nicht mal gesagt, dass der E-Book-Markt den Markt für Printprodukte schwächt. Denn, so die Einschätzung:

„Diese Bereitschaft geht laut Umfrage darauf zurück, dass die Verlage mit elektronischen Büchern neue Kundenschichten ansprechen und ein zeitgemäßes Image des Verlagswesens transportieren wollen.“

Worin auch das Dilemma deutlich wird: Man hofft und um die Hoffnung zu bestärken, folgt man einem bestimmten Leitbild des Zeitgeistes. Spannender für die Verlage wäre mitunter jedoch, zu fragen, wer ihre bisherigen Kunden sind, was diese möchten und also wie diese als Kunden zu halten sind. Das so ein Versuch die Zielgruppe durchaus verfehlen kann, zeigt die nahezu zur Unbenutzbarkeit umgestalteten Seite der Büchergilde Gutenberg, die mich als Kunden jedenfalls direkt ins Ladengeschäft zurück treibt. Wäre dies so geplant, zöge ich meinen virtuellen Hut vor der digitalen Vabanque-Strategie der Buchgemeinschaft.

(bk, Leipzig, 23.11.2012)

 

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