Das Problem ist nicht das Internet, sondern die Auseinandersetzung damit. Sascha Lobo und Kathrin Passig zur Debattenkultur

 

Eine Zusammenfassung zu

Sascha Lobo; Katrin Passig: Defekte Debatte. In: Spiegel online / 01.10.2012 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-88861791.html

von Florian Seifarth

 

Die Autoren des Buches „Internet – Fluch oder Segen“ bemängeln in Ihrem Artikel die Diskussionskultur zum Thema Internet oft dominierende Schwarzweißmalerei.

Ihrer Wahrnehmung nach, sind die Debatten vor allem durch starkes Polemisieren gekennzeichnet:.

„An den prägenden Schlagwörtern lässt sich die Stoßrichtung der Netzdiskussion erkennen: von Internetsucht bis Raubkopierer, von Facebook-Partys bis Datenkraken“

und

„Gleichzeitig wird in Blogs über „E-Mail-Ausdrucker“ gespottet und auf Twitter die allgemeine Ahnungslosigkeit der analogen Restwelt kommentiert. Die existentiellen Sorgen ganzer Branchen werden weggewischt oder gleich ignoriert, mit dem Verweis auf die weltverändernde Macht des Internets.“

Sascha Lobo und Kathrin Passig legen dar, dass es sich nicht um ein Problem zwischen Nichtnutzern und Nutzern handelt. Denn über 50 Millionen Deutsche nutzen regelmäßig das Internet. Es geht also vielmehr um eine skeptische oder positive Einstellung und die einseitige Diskussionskultur zum Internet. Um das Thema selbst kommt man nicht herum. Wenn ein Leben ohne Beeinflussung durch digitale Vernetzung nicht mehr möglich ist – und die Realität deutet sehr darauf hin – hat dies Folgen für alle Menschen. Eine offene Debatte wäre im Sinne aller.

„das Internet kennt keinen Naturzustand… Innerhalb bestimmter Grenzen ließe sich deshalb sehr gut der Weg zur kommenden digitalen Gesellschaft gestalten“

Nun aber stellt sich die Frage, warum trotz der allgemeinen Relevanz des Themas so wenig Interesse besteht, von einseitigen Argumentationen abzurücken.

Zum einen liegt es nach Lobo und Passig am Ego der Wortführer die:

„weniger an der Vermittlung und Erklärung interessiert sind als an der Selbstvergewisserung“.

Polarisierende Thesen finden eher Gehör und  lassen sich auf dem Medienmarkt besser verkaufen. Zum anderen erhalten Politiker mit Verweisen auf große Gefahren oder beträchtliche Märkte und Chancen mehr Unterstützung.

„Optimisten nutzen die Gelegenheit, sich moderner, jünger, angstfrei und zukunftszugewandt darzustellen. Skeptiker wirken dagegen verantwortungsbewusster, kritischer, erwachsener. Und das Verstehen und Aushalten von Ambivalenzen macht einfach mehr Mühe als reflexhafte Pro- oder Contra-Posen“

Die Autoren stellen heraus, dass es im Internetdiskurs eigentlich gar nicht um das Internet geht, sondern um tiefer verwurzelte Probleme der Gesellschaft. Die Informationsflut brachte erstmals im 17. Jahrhundert im Zuge der Ausweitung und Ausdifferenzierung der Wissenschaften Probleme mit sich.. Die Musikindustrie bangte im 20. Jahrhundert um ihr Dasein angesichts der Einführung der wiederbespielbaren Tonkassette und später der CD-Rom.

Doch eigentlich geht es abseits von solchen Wirtschaftsinteressen um existentiellere Fragen wie:

„ob man sich im Zweifel eher für Freiheit oder eher für Sicherheit entscheiden würde“.

Die Möglichkeiten und Wandlungsfähigkeit des Internet bedeuten auch, dass Konflikte immer wieder neu verhandelt und Lösungen neu ausgehandelt werden müssen. Dies sollte als ein fortwährender Prozess gestaltet werden. Verhärtete Standpunkte, die einen Status Quo zementieren oder im Gegensatz dazu gewachsene Strukturen vollständig einreißen wollen, sind da eher kontraproduktiv. Was die Diskussion braucht, ist ein wechselseitiges Verstehen und den Willen zur Gestaltung mit- und nicht gegeneinander.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s