Die profilierte E-Book-Nutzung. Constanze Kurz sieht eine gläserne Lesewelt heraufziehen.

Eine Zusammenfassung zu

Constanze Kurz: Wer liest, der wird gelesen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2012, S. 33
Online:  www.faz.net/aktuell/feuilleton/aus-dem-maschinenraum/der-glaeserne-leser-wer-liest-der-wird-gelesen-11968518.html

 von Martin Heilmann

Constanze Kurz weist in ihrem Artikel auf ein datenschutzrechtlich düster anmutendes Szenario hin: das des gläsernen Lesers. Die digitale Lektüre eignet sich nämlich prima, um jedes Blättern und Markieren in einem elektronischen Buch zu Protokoll zu nehmen. Die Maschinen (hier: E-Book-Reader) generieren so Profile diesbezüglich ahnungsloser Leser.

Wer liest, der wird gelesen – wie der Titel schon verrät, werden durch die Nutzung eines E-Book-Readers Spuren hinterlassen, die dem Anbieter Rückschlüsse zu Lesegewohnheiten und womöglich auch zum Lebensstil seiner Kunden ermöglichen. Es besteht also die Möglichkeit, einen Leser über seine Lektürebiografie hinweg zu beobachten und somit seine Präferenzen, Vorlieben oder Auffassungsgabe zu bestimmen: Wie schnell und wie durchgängig liest er ein Buch? Wann nimmt ein Leser den Reader zur Hand? Was wird angestrichen und was kommentiert?

Constanze Kurz nennt eine Vielzahl von Informationen, die ohne weiteres ausgespäht, gespeichert und an Verlage verkauft werden können. Sind diese Daten in Verbindung mit den Daten anderer Nutzer ausgewertet und kategorisiert, lassen sich allgemeine Trends und Stimmungen berechnen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, so Constanze Kurz, dass der Druck auf Autoren steigen wird, wenn der Verlag genaue Kenntnis über Verständnisschwierigkeiten für Sachthemen oder Nicht-Akzeptanz bestimmter Handlungsstränge hat. Auch wenn der Artikel es nicht direkt anspricht, so schwingt doch eine gewisse Angst um die künstlerische Freiheit zugunsten der Markt- und Verkaufsoptimierung mit:

 „Gibt es bald verkaufsoptimierte Versionen von Büchern, beworben mit einem Satz wie diesem: „Jetzt in der zweiten, überarbeiteten Auflage: verbesserte Verständlichkeit, basierend auf Daten aus der Leseerfahrung“?“

Neben diesem Wissen der Verlage über die Wünsche bzw. Ansprüche der Leser, kann auch die Weitergabe oder Zurückhaltung der erhobenen Lesegewohnheitsdaten durch die Anbieter zu erheblichen Verschiebungen im deutschen Literaturbetrieb führen. Einer Firma wie Amazon als Anbieter solcher Daten würden sich wahrscheinlich ungeahnte Möglichkeiten der Einflussnahme bieten. Constanze Kurz fordert deshalb klare Regeln in Form von Hinweisen (was genau erfasst und an wen übermittelt wird) sowie die Unterlassung standardmäßiger Erfassung (nur auf ausdrücklichen Wunsch des Käufers). Weiterhin sollten (höchstens) zusammengefasste, anonymisierte Daten und nicht individualisierte Profile erstellt werden, damit Nutzerüberwachung nicht zur Normalität wird.

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