Digitale Notenblätter, in Brüssel.

Bis zur ersten (und zugleich drittletzten Sitzung) des Seminars im Jahr 2013, die sich das ersprießliche Thema des Urheberrechts und seiner Beziehung zum elektronischen Publizieren umkreisen wird, bleiben noch eine Woche und eine halbe. Die Welt des E-Publishing rotiert dabei jedoch ihrer Natur gemäß ohne Unterlass. In Großbritannien, so wird beispielsweise gemeldet, liegt der Anteil der E-Books an den verkauften Büchern für 2012 bei „13 bis 14 Prozent“ und die Meldung selbst deutet bereits an, dass dieser Zugewinn vor allem über den Preis forciert wird. Amazon(.com) hat sein Weihnachtsgeschäft ausgewertet und auf eine Pressemitteilung kondensiert. Auffällig ist, dass der Händler E-Books unter „Digital Media“ in einer Kiste mit anderen digitalen Inhalten erfasst. Im Handel zeigt der Trend also möglicherweise sehr in Richtung Medienkonvergenz und am Ende der Bilanz ist es dann egal, was die verkaufte Datei transportierte – Film, Text, Ton, Spiel. Quantitativ wächst der E-Book-Bereich dahingehend, dass Amazon 175.000 Titel exklusiv im Angebot hat und auch der Bestand der Amazon Lending Library irgendwo zwischen 180.000 (Webseite) und 250.000 Titeln (Pressemitteilung) liegt.

Eine eher unerwartete Meldung kommt aus Brüssel. Das dort beheimatete Philharmonische Orchester setzt, so u.a. der Deutschlandfunk, auf Tablets zur Anzeige von Noten. Dahinter steht wie so oft der Wille zum Sparen. Man erhofft sich durch die papierlosen Notenanzeige eine Ausgabensenkung um immerhin 25.000 Euro und mehr Interaktivität zwischen den Musikern:

„“Die Idee für die Tablets wurde beim Mittagessen geboren. Wir witzelten, das erste papierlose Orchester der Welt zu werden. Natürlich müssen wir Konzerte spielen, Beethoven, Brahms, Schostakowitsch und so weiter. Aber wir stellen uns auch ständig die Frage: Wie positionieren wir uns in der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Welt von heute?“

Man fühlt natürlich mit, wenn man liest, dass das Orchester Konzerte noch spielen muss. (Hoffentlich ist der wahrgenommene Zwang ein Übersetzungsfehler.) Und man ist gespannt, ob sich der Umstieg aufs Display wirklich lohnt:

„Der Wechsel von Papier auf Tablets macht aber auch Schwierigkeiten. Erstens sind sie extrem teuer in der Anschaffung und werden sich wohl erst nach ein paar Jahren rentieren. Außerdem ist das Repertoire bisher noch sehr begrenzt. Nur wenige Stücke, wie zum Beispiel der Bolero, liegen für die Tablets aktuell vor. Und auch die Musiker sollte man nicht vergessen: Die Bildschirme sind nämlich deutlich kleiner als die gewohnten Notenpapiere. Das fordert Konzentration. In Zukunft soll an der Größe der Orchester-Tablets noch etwas getan werden und auch alle anderen Bugs, also Software-Fehler, sollen noch ausgebügelt werden. Denn bei der ersten Probe mit den Tablets ging noch so einiges schief. „

Für die Sitzung am 18.01. ist übrigens die Frage von Bedeutung, warum so wenige Stücke für Tablets verfügbar sind. Denn eine Hürde, die bei jeder Digitalisierung und digitalen Nutzung erst einmal zu nehmen ist, ist die des Urheberrechts.

Quelle: Markus Dichmann: Tablets im Orchestergraben. In: Deutschlandfunk / Computer & Kommunikation. 05.01.2013.

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