Aufweichung des Kopierschutzes: ein weiterer Schritt

von Janett Weber

Wer sich etwas intensiver mit elektronischen Publikationen auseinandersetzt oder diese gerne liest, ist ihr wahrscheinlich schon begegnet: der „Digital Rights Management“-Technik, kurz DRM. Es handelt sich hierbei um einen Kopierschutz, mit dem sich unter anderen die Nutzungsbedingungen für ein urheberrechtlich geschütztes Werk festlegen lassen und der oft als „harte“ Variante angewendet wird. Durch DRM lassen sich beispielsweise das Kopieren von E-Books und somit auch die illegale Verbreitung über das Internet oder über andere Wege unterbinden. Um zu verhindern, dass dieser Schutz umgangen und ausgehebelt wird, wurde dies im § 108b UrhG[1] (Unerlaubte Eingriffe in technische Schutzmaßnahmen und zur Rechtewahrnehmung erforderlicher Informationen) unter Strafe gestellt. Weiterhin ist es möglich, die Dauer der Nutzbarkeit festzulegen. Solche zeitlichen Beschränkungen finden sich häufig bei dem Verleih von E-Books durch Bibliotheken oder zunehmend auch durch kommerzielle Anbieter. Diese Art des Kopierschutzes bringt jedoch auch einige Nachteile mit sich, die vor allem die Nutzer treffen. Wer oft E-Books liest, kennt höchstwahrscheinlich folgendes Phänomen: Man lädt sich aus dem Internet bei einem entsprechenden Anbieter ein E-Book auf den eigenen Rechner oder direkt auf einen E-Book-Reader herunter. Man versucht es zu öffnen, doch dies ist nicht möglich. Die Ursache hierfür kann durchaus am DRM liegen.

Oder man denke an das Ärgernis vor einigen Jahren zurück, als Amazon 2009 die elektronische Version von George Orwells „1984“ von den Lesegeräten der Kunden löschte, weil zu spät festgestellt wurde, dass die notwendigen Rechte für den Vertrieb fehlten.[2]

Wie sinnvoll und sicher der DRM-Schutz als praktischer Kopierschutz ist, bleibt offen. Denn genauer betrachtet, stellt ein Kopierschutz mit den heutigen technischen Mitteln kein allzu großes Hindernis dar. Wer hier wirklich einen Rechtsbruch begehen will, wird es vermutlich schaffen. Wer sich rechtskonform ein E-Book kauft, schafft es eventuell nicht, es zu nutzen. So scheint es, als sei die „harte“ Variante des Schutzes nicht der optimale Weg zu sein, um die die Rechte der Urheber einerseits zu schützen und andererseits die Nutzer nicht vor den Kopf zu stoßen und bei der Gelegenheit wie potenzielle Kriminelle zu behandeln. Aus diesem Grund werden zunehmend auch „weiche“ DRM oder ähnliche Methoden eingesetzt.

So nun auch bei dem Anlass dieses kleinen Artikels, dem Schritt des Verlages De Arbeiderspers / AW Bruna, der damit ein attraktiveres Angebot schaffen möchte. Er entschloss sich als größter niederländischer Verlag dazu, seine E-Books nur noch mit einem digitalen Wasserzeichen zu versehen und auf ein „hartes“ DRM zu verzichten. Somit ist es den Kunden nun möglich ihre E-Books auch an Freunde zu verleihen oder auf verschiedenen Geräten zu nutzen. Ausgenommen sind jedoch die E-Books, die über den Apple iBooks Store verkauft werden. Diese werden weiterhin mit einem DRM-Schutz versehen sein. Bei der Verwendung eines digitalen Wasserzeichens als Schutzmaßnahme handelt es sich um eine unsichtbare Signatur, mit der es möglich die Person, die beispielsweise ihr E-Books illegal ins Internet gestellt hat, zurück zu verfolgen.[3]

Ob dies jedoch ausreicht, um die Schuld einer Person zu beweisen, ist fraglich. Denn auch ein Freund des Nutzers oder ein Fremder, der sich Zugriff verschafft hat, könnte diese illegale Handlung getätigt haben. Ob der Nutzer also zur Rechenschaft gezogen werden würde, obwohl er unschuldig ist, bleibt noch offen. Weiterhin lässt sich auch ein Wasserzeichen mit den richtigen technischen Mitteln entfernen. Dennoch: Selbst wenn die rechtlichen Auswirkungen noch offen bleiben und der technische Schutz der Urheberrechte noch nicht für beide Seiten endgültig zufriedenstellend gelöst ist, stellt der Verzicht auf einen „harten“ DRM-Schutz, der eine einfache und bequeme Nutzung des Werkes oft stark behindert, einen Schritt in die richtige Richtung dar. Sowohl der Rechteinhaber als auch der Nutzer sollten sich im Sinne eines Interessenausgleichs etwas aufeinander zu bewegen und Kompromisse eingehen.

Literatur:

Postinett, Axel: Amazon löscht ungefragt verkaufte E-Books [Elektronische Ressource] / von Axel Postinett. – Stand: 19.07.2009. – Online-Ressource

Adresse: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/kindle-amazon-loescht-ungefragt-verkaufte-e-books/3222564.html

Gesehen: 16.01.2013

Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz) [Elektronische Ressource] : vom 9. September 1965 (BGBl. I S. 1273), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 14. Dezember 2012 (BGBl. I S. 2579) geändert worden ist. – Stand: 2012. – Online-Ressource

Adresse: http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/BJNR012730965.html

Gesehen: 15.01.2013

Farrington, Joshua: Major Dutch publisher abandons DRM [Elektronische Ressource] / Joshua Farrington. – Stand: 14.01.13. – Online-Ressource

Adresse: http://www.thebookseller.com/news/major-dutch-publisher-abandons-drm.html

Gesehen: 16.01.2013


[1] Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz) [Elektronische Ressource]. – Adresse: http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/BJNR012730965.html. – Gesehen: 15.01.2013

[2] Amazon löscht ungefragt verkaufte E-Books [Elektronische Ressource]. – Adresse: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/kindle-amazon-loescht-ungefragt-verkaufte-e-books/3222564.html. – Gesehen: 16.01.2013

[3] Farrington, Joshua: Major Dutch publisher abandons DRM [Elektronische Ressource]. – Adresse: http://www.thebookseller.com/news/major-dutch-publisher-abandons-drm.html. – Gesehen: 16.01.2013

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